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Sparkasse Fulda

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Niger Okt. 2008

Niger – tatsächlich ein Land voller Armut, wo man vor der Not und dem Hunger nicht die Augen verschließen kann . In unserem Einsatzgebiet in Birni N'Konni, nur wenige Kilometer von der nigerianischen Grenze entfernt, waren 80-85 % der Kinder unterernährt und davon etwa 10-15 % so abgemagert, dass lediglich ihre Knochen von einer pergamentartigen Haut überzogen waren. Zum Überleben haben diese Kinder kaum eine Chance, so wie sie in unvorstellbarer, menschenunwürdiger Armut aufwachsen. Flößte man diesen abgemagerten, oft schon leblos wirkenden Kinderkörpern jedoch nur ein wenig Flüssigkeit ein, flammte in ihnen ein kämpferischer Überlebenswille auf, der uns stets hoffen lies.

Zu beklagen war allerdings nicht nur dieser extrem schlechte Allgemeinzustand, denn zugleich litten die Kinder an lebensbedrohlichen Erkrankungen wie Lungenentzündungen, Durchfällen, Malaria usw., oft mehrere dieser Krankheiten gleichzeitig. Unser Team, bestehend aus vier Medizinern sowie zwei Helfern, behandelte an manchen Tagen alleine bis zu 50 an Malaria tropica, der gefährlichsten Form der Malaria, erkrankte Kinder. Weiterhin mussten wir Kinder mit superinfiziertem Pilzbefall der Kopfhaut, Abszessen, Bilharziosen und Larva migrans cutanea , beides tropische Wurmkrankheiten, bakteriellen Geschwüren und Eiterungen der Haut und vielem mehr behandeln.

Manchmal war zu beobachten, dass die Mütter ihren schwerst unterernährten Kindern kein besonderes Interesse entgegenbrachten. Bei genauerem Hinschauen wurde aber klar, dass die Armut die Mütter selbst ausgezehrt hatte, unterernährt und hungrig genau wie ihre Kinder, und ihre Brüste hingen wie leere Säckchen herab.

Niger, eine ehemalige französische Kolonie, ist ein reines Binnenland und besteht überwiegend aus Wüste. Das verbleibende landwirtschaftlich nutzbare Land wird durch die Desertifikation (Wüstenbildung) sowie durch menschliche Einflüsse wie Abholzung, Überweidung und Übernutzung der Nutzflächen sowie durch den Einfluss des Klimawandels gefährdet. Naturkatastrophen wie Heuschreckenplagen und die Folgen der Armut und mangelnden Bildung führen zu immer wiederkehrenden katastrophalen Hungersnöten im Lande.

Auch an sozialer Infrastruktur mangelt es im ganzen Land. Statistisch gesehen kommen in Niger auf jeden Arzt 40.000 Patienten, im Vergleich hierzu sind es 300 Patienten pro Arzt. Die Kindersterblichkeit beträgt 27,5 Prozent, in Deutschland 0,5 Prozent. Die Lebenserwartung in Niger liegt derzeit bei etwa 42 Jahren.

„WIRKLICH, ICH BIN GLÜCKLICH. ICH FÜHLE, DASS ICH RECHT DARAN GETAN HABE, HIERHERZUKOMMEN, DENN DAS ELEND IST GRÖßER, ALS MAN ES BESCHREIBEN KANN." Diese Worte schrieb Albert Schweitzer 1913 an einen Freund nach seiner Ankunft in Lambarene.

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